Die Opfer des Nazi-Terrors
Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung verlief von der Entrechtung und Ausgrenzung seit 1933 über offene Gewalt beim Pogrom 1938 bis hin zur Deportation und Vernichtung vor allem in den Jahren 1941 bis 1943.
Zum Ende des Krieges war die jüdische Gemeinde in Mühlheim und Dietesheim zerstört.
Ermordete
Die folgende Liste enthält die namentlich bekannten Opfer:
| Wir trauern um... | Schicksal |
|---|---|
| Bertha Appel | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
| Johanna Appel | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
| Moritz Appel | Gest. 19. Dezember 1942, Theresienstadt |
| Arno Chmielnicki | Deportiert 1942, für tot erklärt. |
| Dwojra Chmielnicki, geb. Pinkus | Deportiert 1942, für tot erklärt. |
| Sonja Chmielnicki | Deportiert 1942, für tot erklärt. |
| Adolf Distelburger | Deportiert nach Auschwitz, dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet. |
| Janette Distelburger, geb. Isaak | Gest. 3. Februar 1944, Theresienstadt |
| Pauline Fleischer, geb. Isaak | Deportiert nach Kaunas, dort erschossen am 25. November 1941. |
| Johanna Fried | Deportiert 1942, für tot erklärt. |
| Laura Fried | Deportiert 1942, für tot erklärt. |
| Chaja Ita Friz, geb. Ginsberg | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
| Leopold Friz | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
| Perenz Friz | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
| Rosa Hirsch, geb. Fried | Deportiert nach Auschwitz, dort ermordet. |
| Paula Hofmann, geb. Schönfeld | Ermordet 19. November 1943, Auschwitz |
| Berta Lehmann, geb. Isaak | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
| Moritz Lehmann | Gest. 8. Mai 1942, KZ Sachsenhausen |
| Sofie Spahn, geb. Berkowitz | Ermordet 14. August 1943, Auschwitz |
| Sally Stern | Deportiert nach Auschwitz, dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet. |
| Helmut Stern | Gest. 5. August 1942, KZ Majdanek |
| Bertha Stiefel | Deportiert 1942 (Piaski-Lublin), Todesdatum unbekannt. |
| Thekla Stern, geb. Marum | Deportiert nach Auschwitz, dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet. |
| Anna Teesch, geb. Friz | Direkt nach Ankunft in Auschwitz ermordet. |
| Fredy Teesch | Gest. 21. Juni 1943, KZ Auschwitz |
| Joseph Wolf | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
| Recha Wolf, geb. Reis | Gest. 2. Oktober 1942, Treblinka |
Bei mehreren Personen liegt kein exakt belegtes Todesdatum oder kein unmittelbar dokumentierter Todesort vor. In den Akten erscheinen daher Formulierungen wie:
- "für tot erklärt" (durch Amtsgerichtsbeschluss)
- "verschollen"
- "mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet"
Diese Formulierungen geben den Quellenstand wieder und sollen hier nicht durch ungesicherte Angaben ersetzt werde.
Überlebende
Außer den ins Ausland Geflohenen überlebten den Terror der Nationalsozialisten in Deutschland nach aktuellem Kenntnisstand folgende nur acht Mühlheimer Jüdinnen und Juden:
| Name | Schicksal |
|---|---|
| Mirijam Amsterdam, geb. Siwek | |
| Gredchen Schröder, geb. Stiefel | Überlebte den Krieg nach einer Odyssee durch mehrere Verstecke in Mühlheim und Umgebung. |
| Anna Siwek, geb. Ritter | |
| Gurdina Siwek, geb. Siwek | |
| Idel Siwek | Idel überlebte mehrere KZs und Todesmärsche. Er kehrte am 24. Juni 1945 nach Mühlheim zurück. |
| Jakob Siwek | |
| Wolf Wladislaw Siwek | Wolf überlebte mehrere KZs und Todesmärsche; Er kehrte am 18. Juli 1945 nach Mühlheim zurück. |
| Mathilde Strauß, geb. Rollmann |
Zum Gedenken

Ansicht des Jüdischen Friedhofs von Süden, 2024. Foto: Fani Gargova, Lizenz CC BY 4.0
Auch Arnold Isaak überlebte. Er kehrte am 8. Mai 1945 als Angehöriger der US Air Force nach Mühlheim zurück. Seine Aussagen sind als Zeitzeugnis dokumentiert, und unter anderem wird diese zitiert:
...der United States Strategic Air Forces Technical Intelligence Division besuchte er unmittelbar nach Kriegsende auf der Suche nach Informationen zu seinem Vater Leopold Isaak, dem letzten Gemeindevorsitzenden auch seine Geburtsstadt Mühlheim und
hatte vorgehabt, anzuhalten und einen kleinen Stein zum Zeichen des Gedenkens auf die Grabsteine meiner Großmutter und meines Großvaters zu legen. Als wir vor dem Tor bremsten, konnte ich sehen, daß die Nazis auch hier ganze Arbeit geleistet hatten. Das Eingangstor lag auf der Erde. Alle Grabsteine waren umgeworfen. Viele waren zerbrochen. Unkraut war über die Gräber gewachsen. Es war schlimm. Die Tränen kamen mir, und ich wurde wütend.
Mit Waffengewalt erzwang er vom Bürgermeister das Versprechen, sich schnellstmöglich um die Instandsetzung des jüdischen Friedhofs zu kümmern.16 Einige Tage später kam Arnold Isaak wieder durch Mühlheim und konnte feststellen,
daß der alte Mann wirklich sein Wort gehalten hatte. Die Grabsteine waren wieder aufgerichtet, und die Gräber waren eingefaßt mit weißen Kieselsteinen.
Siehe "Zerbrechliche Nachbarschaft: Mühlheim" - Den Artikel Lesen bei UPLOpen
Weitere Quelle (sekundär): judenverfolgung_muehlheim09-05-2020.pdf