Zum Hauptinhalt springen

Geschichte der jüdischen Gemeinde in Mühlheim und Dietesheim

Während die Mühlheimer ab 1887 eine eigene Gemeinde bildeten, blieben die Dietesheimer Juden weiterhin der Gemeinde in Groß-Steinheim angeschlossen. Dort gingen sie zur Synagoge und auf dem dortigen Friedhof wurden die Toten beerdigt. Bis 1887 beerdigten auch die Mühlheimer ihre Toten dort.

DatumEreignis
14. Juli 1789Sturm auf die Bastille in Paris und Beginn der Französischen Revolution.
Vor 1795Zuzug von Hertz und Sinschen Rollmann nach Mühlheim.
1799Die jüdische Gemeinde Mühlheim ist an der Errichtung des jüdischen Friedhofs in Groß-Steinheim beteiligt.
18. Juni 1815Schlacht bei Waterloo – Ende der napoleonischen Ära.
1836Die „Ortsbürger-Liste" in Dietesheim erwähnt erstmals einen Juden, den Schumacher Joseph Moises, der im Jahre 1813 geboren wurde.
März 1848Beginn der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche.
11. November 1850Aufnahme von Josef Rollmann ins Bürgerregister Mühlheim.
1861Das Wachthäuschen in der Marktstraße wird gebaut.
15. November 1865Aufnahme von Salomon Rollmann ins Bürgerregister Mühlheim.
18. Mai 1868Aufnahme von Nehm Rollmann ins Bürgerregister Mühlheim.
19. Juli 1870Frankreich erklärt dem Königreich Preußen den Krieg.
18. Januar 1871Gründung des Deutschen Reiches.
07. Dezember 1873Aufnahme von Nehm Stiefel ins Bürgerregister Mühlheim.
24. März 1874Karoline Schönemann stirbt im Alter von 25 Jahren in Dietesheim und wird auf dem alten Friedhof in Steinheim beerdigt.
1876Georg Büttner wird Bürgermeister in Mühlheim. Später wird er mit 34 Amtsjahren ist er derjenige sein, der dem Ort am längsten vorstand.
1879Das erste echte Schulgebäude wird in Mühlheim errichtet.
28. Dezember 1879Aufnahme von Julius Fried ins Bürgerregister Mühlheim.
06. August 1880Mit der Betriebsaufnahme des Farbwerks Mühlheim beginnt der Umbruch vom Bauerndorf zur Industriesiedlung.
28. Dezember 1884Aufnahme von Elias Appel in das Bürgerregister der Gemeinde Dietesheim.
20. Februar 1887Aufnahme von Benjamin Rollmann ins Bürgerregister Mühlheim.
19. Dezember 1887Gründung der israelitischen Gemeinde in Mühlheim am Main. Julius Fried wird erster Vorsteher.

Je größer die Gemeinde wurde, umso mehr eigene Einrichtungen des jüdischen Gemeindelebens konnten in Mühlheim selbst verwirklicht werden, sodass die Zeitschrift Der Israelit in ihrer Ausgabe vom 28. Dezember 1887 vermelden konnte:

Mühlheim, 19. Dez. Die hiesigen Einwohner, die von jeher eine Filialgemeinde zu Bürgel bildeten, haben, da dieselben eben zahlreich genug sind, sich von Bürgel getrennt und eine eigene Gemeinde gebildet. Von der Regierung haben sie die Genehmigung hierzu erhalten, und wurden in Folge dessen die Herren: M. Rollmann, Fried und R. Stiefel als Vorsteher gewählt und als solche vom Großh. Kreisamt Offenbach verpflichtet.

Siehe die Quelle - Den Artikel Lesen bei UPLOpen

DatumEreignis
22. Juli 1890Aufnahme von Theodor Rollmann ins Bürgerregister Mühlheim.
01. Oktober 1892Schließung des alten und Eröffnung des neuen Friedhofs in Groß-Steinheim.
15. Oktober 1892Geburt Emanuel Appel.
24. Juni 1893Der jüdische Friedhof in der heutigen Leuschnerstraße wird angelegt.
22. Dezember 1893Tod von Johanna Stiefel, Beerdigung auf dem jüdische Friedhof Mühlheim.
1895Das Kreiserziehungsheim wird in Mühlheim gebaut. Das erste der beiden Gebäude der Goetheschule wird errichtet.
1900Der berühmte Komponist Paul Hindemith zieht im Alter von vier Jahren mit seiner Familie von Hanau nach Mühlheim.
09. September 1904Aufnahme Aron Stiefel ins Buergerregister Mühlheim.
08. Juli 1908Tod Amalie Fried, Beerdigung in Mühlheim.
1910Peter Hatzebruch wird Bürgermeister in Mühlheim.
01. August 1914Beginn des Ersten Weltkriegs.
08. August 1914Einweihung der Synagoge in der Friedrichstraße.
Es schreibt Leopold Isaak, letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde in einer Chronik im Februar 1934:

Für die Einweihungsfeier wurde ein Synagogenchor gegründet. Er bestand aus 25 Mädchen und Jungen und probte zweimal wöchentlich unter der Leitung des Rabbiners und Volksschullehrers Leopold Oppenheimer aus Groß-Steinheim. Es sollte eine große Feier werden, die lange vorbereitet wurde. Doch eine Woche vorher begann die Katastrophe des Ersten Weltkriegs. ‚Sang- und klanglos trug man die Thorarollen und sonstige Geräte bei Nacht in ihre neue Wohnung. Damit war die Einweihung beendet.

DatumEreignis
27. Dezember 1917Sali Stiefel stirbt im Alter von 34 Jahren als Reservist an der Front.
08. Oktober 1918In Mühlheim verstirbt Gefreiter Hermann Rollmann an seiner schweren Verletzung.
15. Januar 1920Tod von Liebmann Isaak im Alter von 66 Jahren
21. September 1921Felix Trejtnar wird der erste SPD-Bürgermeister Mühlheims.
01. April 1922Gründung der Mühlheimer Naturfreunde als „Touristenverein Die Naturfreunde".
02. April 1922Stiftung eines Ofens fuer die Synagoge durch Joseph Windecker.
02. Dezember 1925Gründung der I.G. Farbenindustrie AG.
1926Das Farbwerk Mühlheim wird geschlossen.
12. Januar 1927Auswanderung von Hermann Siwek nach Amerika
10. November 192870. Geburtstag Adolf Stern. Er wird gewürdigt als traditionsbewusstes Gemeindemitglied.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1928

Am 10. November, dem Schabbat Chaje Sara (Schabbat mit der Toralesung Chaje Sara, d.i. 1. Mose 23,1 – 15,18) feiert der frühere Metzgermeister Herr Adolf Stern in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Er ist noch ein Jehudi vom alten Schlage, wie solche heute in Landgemeinden leider immer weniger werden. Einen Beweis seiner Treue zu unserer Heiligen Tora erbrachte er, als während des Krieges am dortigen Platze durch Ortsvorschrift die Fleischverteilung auf Schabbat angesetzt wurde und er, als der einzige unter den jüdischen Metzgern, es vorzog, seine seit 30 Jahren bestehende Existenz aufzugeben, um den Schabbat nicht zu entweihen. Möge ihm ein heiterer Lebensabend beschieden sein. (Alles Gute) bis 100 Jahre.

DatumEreignis
29. Dezember 1928Tod von Adolf Stern, Beerdigung in Mühlheim.
02. Dezember 1930Die jüdische Gemeinde wählt einen neuen Gemeindevorstand: Leopold Isaak, Samuel „Sally" Stern und Aron Stiefel werden bestätigt.
29. Februar 1932Auswanderung von Siegfried Rollmann nach England.
24. Oktober 1932Die jüdische Gemeinde stellt einen Antrag zur Erweiterung ihres Friedhofs.
06. Januar 1933Das Kreisamt in Offenbach erteilt die Genehmigung zur Erweiterung des Friedhofs der israelitischen Gemeinde zu Mühlheim.

Quelle (sekundär): judenverfolgung_muehlheim09-05-2020.pdf